Das Ding mit: den Grenzen

Grenzen sind tolle Dinger. Sie sind alles in einem: flexibel und starr. Geben ein molliges Gefühl von Sicherheit und einen Grund, etwas verteidigen zu dürfen. Sie fühlen sich irre notwendig an. Und trotzdem hat es im Laufe der Jahrhunderte letztlich niemanden gekrazt, wenn sie sich verschoben oder gar verschwanden. Es hat nur die gekrazt, die daran beteiligt waren den momentanen Zustand einer Grenze zu sichern und aufrecht zu erhalten. Deshalb muss für jede neue Grenze und neue Generation derer, die sie errichten oder sichern sollen, neue Begründungen gefunden werden. Denn die Grenze ist nicht das Wichtigste an der Grenze. Es ist die Überzeugung, dass sie notwendig wäre.

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Paul aus Kamerun

Paul kommt aus dem Norden Kameruns und ist, so, wie viele der Reisenden, Ende 20. Nach Nigerianern, Senegalesen, Ivorien sind Kameruner die am häufigsten vertretene Nationalität derer, die in Marokko zwischenlanden. Er ist absolut kein Abenteurer-Typ in dem Sinne, sondern von recht zartbesaiteter Natur. Als ich ihn kennen lernte war er seit  knapp einen Monat in Marokko. Vor der Nacht seines ersten Versuchs mit dem Schlauchboot nach Spanien zu gelangen, kam er bei uns vorbei. Das war vor über einem Jahr. Vor einem Monat hat er es über Nador nach Spanien mit dem Schlauchboot geschafft.

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Wenn´s der Rechtsstaat nicht tut, dann machen wir´s eben selber: Minibürgschaften für Asylrechtsverfahren

Wenn´s der Rechtsstaat nicht tut, dann machen wir´s eben selber: Minibürgschaften für Asylrechtsverfahren

Kranke Menschen werden abgeschoben, ohne vorher vom Amtsarzt untersucht zu werden. Eine Frau, die in ihrem Heimatland vergewaltigt und entführt wurde, bekommt nach mehrjährigem Asylverfahren den Bescheid, dies sei jetzt schon zu lange her; ihre psychischen Probleme könnten nicht eindeutig darauf zurückgeführt werden. Jemand der Hindi spricht, bekommt bei der entscheidenden Anhörung zu seinen Fluchtgründen einen Urdu-Dolmetscher vorgesetzt, mit dem er sich nur grob verständigen kann und traut sich nicht sich zu wehren. Der Rechtshilfefonds Peperoncini will solchen Fällen Unterstützung bieten.

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Das Ding mit: Kultur, Tradition und Kleidung

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Fotos: Anna Hilde

An dieser Stelle eine weitere Nebensächlichkeit, die im Alltag auffällt. Eine davon ist eine ganz bestimmte Kleiderordnung, die neben den sehr eindeutig muslimischen Gewändern und oft auch westlich geprägten Kleidungselementen, unglaublich oft die Straße ziert. Anfangs dachte ich noch, es handle sich um eine ganz bestimmte Ausdrucksweise einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen, die eine ganz marginale, ganz bestimmte Ausrichtung des Islams praktizieren. Oder so was in der Art. Mit hochtrabenden Interpretationen bleibt man erst mal in der Sicherheit, politische korrekt zu sein.

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Mohammed aus dem Senegal

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(Fotos: „On se debrouille“. Aushelfen auf dem Markt, verkaufen auf der Straße und in den Cafés, Taschen tragen.)

Mohammed ist 28 Jahre alt, ältester Sohn der Familie und hat sich, ganz klassisch, auf den Weg gemacht, um Geld zu verdienen. Ein robuster, schlichter, rastloser Typ, der Arbeit über alles im Leben stellt. Als Senegalese braucht er für Marokko kein Einreisevisum. So hat er von Familie und Freunden Geld zusammen gekratzt und ist per Flugzeug gekommen. Als ich ihn vergangenes Jahr traf, war er bereits seit sechs Monaten in Marokko. Für ihn war Marokko die erste Auslandserfahrung. Mittlerweile ist er in Malaga und geht seiner Expertise nach: Dinge an- und wieder verkaufen. Im ersten Teil erzählt er von seinem ersten Eindruck in der Fremde in Marokko und wie sein Alltag aussieht.

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Das Ding mit: den XY´s

Das Ding mit: den XY´s

Ich fand mich in meinem Leben in diversen Situationen wieder, die sich in ihrer Logik unwesentlich unterscheiden. Ob das in Äthiopien, in Kenia, in Tansania, Malawi, Tschechien, Frankreich oder Deutschland war. Völlig egal.  Nun kommt ein weiterer Kulturkreis dazu: Marokko. Grundvoraussetzung ist: es sind Männer in dieser Situation involviert. Wer sich von diesem Text als YX Träger nicht angegriffen fühlt ist, meiner Ansicht nach, ein Hoffnungsträger in Sachen praktischer Gleichberechtigung. Hier nun ein kleiner Alltags-Erfahrungsbericht als XX-Trägerin im kulturellen Vergleich mit dem Hauptaugenmerk auf meinen momentanen Aufenthaltsort.

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Die Grenze zur eigenen Erfahrung machen

Die Grenze zur eigenen Erfahrung machen

Über eine Freundin hielt ich kurz nach meinem Aufenthalt in Marokko das Buch „Am Fuße der Festung“ in der Hand und kontaktierte daraufhin den Autor Johannes Bühler. Hier nun eine Stunde Interview mit einem Menschen, der sich wirklich mit allen Facetten auseinandergesetzt hat. Eine gute Grundlage, Rundumschlag und Einführung ins Thema.

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Ja, nun auch ich

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Foto: Anna Hilde

Liebe Mitmenschen,  die Welt ist nun um einen Blog reicher voller Gedankenfetzen von jemandem, der auch mal was erzählen möchte. Das gehört sich heutzutage so. Ob es um Tipps zu Haarkuren aus Naturprodukten oder um Bastelanleitungen für Papierflieger geht: jeder hat seinen eigenen medialen Selbstprofilierungskanal.

Ich werde mein Bestes geben hier keinen unlauteren Müll abzulassen. Ich werde auch mein bestes geben meine zugegebenermaßen ab und an recht sehr verworrenen  Gedankenknoten verständlich zu entheddern.

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Das Ding mit: der Ignoranz

 

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Foto: Anna Hilde

In der Nacht zum 19.April 2015 geschah eine der Katastrophen, die die EU zum „Aufwecken“ brachte. Die EU wurde so sehr aufgeweckt, dass das Jahr 2015 eines der tödlichsten Jahre für Menschen wurde, die über das Mittelmeer versuchten nach Europa zu gelangen. 2016 sieht nicht besser aus. Wir stumpfen ab. Zu jeder Nachrichtensendung gehört mittlerweile, wie ein unabdingliche  Zutat, eine Meldung über weitere Menschen, die im Mittelmeer ertrunken sind.

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