Das Ding mit: den XY´s

Ich fand mich in meinem Leben in diversen Situationen wieder, die sich in ihrer Logik unwesentlich unterscheiden. Ob das in Äthiopien, in Kenia, in Tansania, Malawi, Tschechien, Frankreich oder Deutschland war. Völlig egal.  Nun kommt ein weiterer Kulturkreis dazu: Marokko. Grundvoraussetzung ist: es sind Männer in dieser Situation involviert. Wer sich von diesem Text als YX Träger nicht angegriffen fühlt ist, meiner Ansicht nach, ein Hoffnungsträger in Sachen praktischer Gleichberechtigung. Hier nun ein kleiner Alltags-Erfahrungsbericht als XX-Trägerin im kulturellen Vergleich mit dem Hauptaugenmerk auf meinen momentanen Aufenthaltsort.

Europa

In den europäischen Ländern ist es im Alltag unwesentlich spürbar. Zumindest ist es nicht so offensichtlich. Keiner starrt per se. Keiner betatscht dich. Zumindest nicht im öffentlichen Raum. Es zeigt sich oft in den Zwischentönen. In den Kommentaren von Männern, die weg gelächelt werden müssen, weil sich das „als Frau so gehört“. Denn wenn man es nicht weg lächelt, sondern sagt, dass dieser oder jener Kommentar nichts zur Thematik beisteuert, herablassend oder sexistisch ist, dann hat man in den Augen der meisten Männer nicht verstanden, dass es doch „nur ein Witz war.“ Dann ist man für sie zickig. Oder gar arrogant. Oder, ganz besonders schlimm, feministisch. Potenziell also nicht mehr „verwertbar“ oder aber, ganz im Gegenteil, besonders interessant, weil „nicht leicht zu haben“.

Mal ganz von den institutionalisierten Ungleichheiten abgesehen, wie Einkommensschere, geringere Karrierechancen, sehr wenig rechtlichen Schutz vor sexuellen Übergriffen, Armutsrisiko für Alleinerziehende und nun auch noch dieses grandiose Gesetz, das den Müttern für jeden Tag, den der Vater mit den Kindern verbringt, auch noch Geld abzieht.

Es zeigt sich in den Erwartungshaltungen, die an Frauen gesetzt werden. An den unausgesprochenen Verhaltens-Codi. An der immer noch vorherrschenden Priorität, dass Frauen vor allem erst einmal nett aussehen müssen. Dann darf auch gern etwas Inhalt eingestreut werden. Das als kleinen Einblick in den europäischen Kulturkreis, der sich selbst als so egalitär und emanzipiert hält. So sehr, dass es mittlerweile die Frauen selbst glauben.

Ostafrika

In Ostafrika ist das alles viel direkter. Da ist das ganz klar: ich bin n Typ, du bist ne Olle, also ist klar, worauf das hinaus laufen sollte. So habe ich das zumindest in den meisten (nicht allen, das muss ja immer explizit dazu gesagt werden) Fällen erkennen müssen. Dementsprechend ist es auch viel einfacher, eine Strategie zu entwickeln. Klar nervt es, ständig angelächtzt zu werden. Ständig die gleichen Diskussionen zu führen „Nein, ich habe keinen Freund. Trotzdem will ich deine Nummer nicht.“, „Nein, ich habe keine Schwester, die ich dir verticken könnte. Mach das, wenn, dann selber. Ich bin kein Hooker.“, „Ja, ich weiß ich bin „beautifull. Sonst noch irgendwas, was du mir sagen willst?“. Etc. So geht das in dieser Manier weiter. Zumindest hat man einen gewissen Spielraum. Nämlich seine Sexualität. Auch, wenn man darauf reduziert wird, kann man zumindest damit arbeiten. Die gleiche Logik, nur subtiler, herrscht, wie oben beschrieben. Man ist immer die Hülle „Frau“.  Wie übrigens auch in Europa, muss man dabei den Männern immer das Gefühl geben, dass eigentlich sie diejenigen sind, die die Zügel in der Hand haben. Dass also, wenn ich nicht anbeiße und nicht kichere, es mit Sicherheit nicht an Ihnen oder ihrer Taktik liegt. Sondern ganz sicher daran, weil ich negativ bin. Oder wie schon erwähnt arrogant. Oder einfach ne Bitch. Oder ich spiele „hard to get.“. Auf jeden Fall liegt es nicht an ihnen und ihrem Verhalten.

Marokko

Hier in Marokko schleicht sich eine Ebene mit hinein, die mich irritiert. Denn sie lässt mir keinen Spielraum, mir eine Strategie zu erarbeiten. Nicht mal die, die auf meiner Biologie beruht. Heißt also: ich habe keine Macht.

Beispiel 1: Die Blicke.

Wenn man auf der Straße entlang läuft wird man angestarrt. Gut, das wird man in Ostafrika auch. Das wird man dort, neben der sexuellen Komponente zusätzlich, weil man weiß ist.

Hier wird man angestarrt mit einem Blick, der die innere Zerrissenheit widerspiegelt, in der sich die Männer befinden. Es ist ein dezenter und aufdringlicher, sehr durchdringender Blick. Beides gleichzeitig. In dem Versuch unauffällig zu gucken, erstarren sie in ihrer Pose, um sich darauf zu konzentrieren, ihre Augen zu kontrollieren. Dadurch erhält ihr Gesichtsausdruck etwas sehr obszönes. Etwas obsessives. Indem sie also krampfhaft versuchen ihre Gedanken nicht zu sehr nach außen tragen zu lassen, tun sie es um so mehr.

Der Zwiespalt, der sie so verkrampft gucken lässt, besteht meiner Meinung nach in Folgendem:

Was sie gerade in ihrem Kopf denken, ziemt sich nicht. Es ist eine Sünde. Alles sexuelle, was ihnen ihre Biologie auferlegt, ist etwas Unnatürliches, Unkontrolliertes. Und in dieser Gesellschaft ist ein Mann stark. Kontrolliert. Ergo kämpfen sie innerlich gegen das an, was eine Frau in ihnen auslöst. Denn sie ist die buchstäblich verbotene Frucht. Unter Gewändern verhüllt, die Spielraum für Phantasie lassen, wenn der Wind ihre Silhouette umspielt. Eine Fatamorgana. Eine Projektionsfläche. Eine Hülle.

Sie ist der Grund dafür, dass die Männer, sich selbst als kulturelle Wesen verstehend, ihre Natur spüren. Da alles Biologische eine Sünde ist, ist es also nichts Gutes, wenn sie ihre Natur spüren. Und die Frau ist der Grund für dieses gute Gefühl, das ja aber wie gesagt, eigentlich schlecht ist. Sie ist das Unkontrollierbare. Sie ist Natur. Sie ist Schuld. Weil sie eine Frau ist. Und diese Schuld steckt in den Blicken der Männer. Die Kritik daran, dass man eine Frau ist. Dass man etwas in ihnen auslöst, was sie nicht kontrollieren können. Ergo: Frauen müssen ihre Weiblichkeit bedecken. Was wiederum den Teufelskreis befeuert. Denn wieder gibt das Verhüllen Spielraum für Phantasie.

Die Chance, über den Körper hinweg zu sehen und damit die Frau nicht dafür zu kritisieren, dass sie nun mal einen weiblichen Körper hat, ist also sehr gering.

Die Paradoxie drückt sich aber auch darin aus, dass, trotz allem, es Arrangements im öffentlichen Raum gibt, die das Begaffen legitimieren. Die Männer haben sich also selbst ihre Nischen geschaffen, um ihrer Gedankenspielereien zu frönen.

Einerseits werden also Frauen für ihre Reize kritisiert. Andererseits basiert das Verhältnis von Männern und Frauen allein darauf, dass Frauen eben jene Reize mit sich herumtragen, für die sie „geschaffen“ wurden, um ihre „Funktion“ zu erfüllen. Und diese „Funktionen“ müssen ja auch irgendwie „abgecheckt“ werden. Dafür sind dann eben jene öffentlichen Arrangements da.

Beispiel 2: Die Cafés

Es gibt hier jede Menge davon. Eins reiht sich an das nächste. Und jedes Café bietet Platz für mindestens 50 Personen. Diese Personen sind allesamt männlich. Den Aufbau eines Cafés muss man sich wie ein Kino vorstellen. Alle sitzen mit dem Gesicht in Richtung Straße. Selbst die, die drinnen sitzen. Reihe hinter Reihe. Nur, dass zwischen den Reihen Platz für ein Tisch bleibt, auf dem der Tee oder der Kaffee steht. Frauen habe ich in solchen Cafés noch nie gesehen. Sie haben nämlich eine andere Aufgabe: den Film zum Kino zu liefern, indem sie daran vorbei laufen. Es ist eine aufdringliche, nicht zu überspielende Brautschau-Situation für jede Frau, die an diesen Cafés nicht umhin kommt, daran vorbei zu laufen. Denn diese Cafés sind ja überall.

In diesen Cafés dürfen die Männer ganz offiziell gaffen. Abscannen. Hoffen, dass ein Windstoß kommt. Am vollsten sind diese Cafés bezeichnenderweise direkt, nachdem die Männer aus den Moscheen von ihren Gebeten kommen.

In dieser Szenerie steckt also das ganze Paradoxon des Verhältnisses zwischen Männern und ihrem Blick auf das weibliche Geschlecht: Nach und vor der moralischen Reinigung sucht sich der Mann eine „gute Frau“.

Beispiel 3: Die öffentlichen Verkehrsmittel.

Diese sind hier die Taxis, die wir aus Deutschland kennen, in denen bis zu sechs Personen Platz haben. Wenn möglich, wird bei den Passagieren darauf geachtet, dass Männer und Frauen nicht nebeneinander sitzen müssen. Denn Körperkontakt ist bei vier Personen hinten und zwei Personen vorne unvermeidbar. Wie streng das gehandhabt wird ist interessanterweise in Nuancen unterschiedlich. Es kommt sowohl auf den Fahrer, als auch auf die Passagiere an.

Mir kam es schon vor, dass ich neben einem recht religiös aussehenden Mann Platz nehmen musste, der sich konsequent von mir weg drehend, um so wenig wie möglich Körper-sowie Augenkontakt zu provozieren, die ganze Fahrt über betete. So viel Angst vor meiner nicht zu ändernden Erscheinungsform habe ich noch nie erlebt. Wäre ich an einem Café vorbei gelaufen, hätte er wohl einfach ungeniert gestarrt. Im Taxi war ich aber offensichtlich zu dicht dran. Anscheinend kann man(n) Gucken noch aushalten, es sogar genießen. Kontakt hingegen überfordert so sehr, dass man Gott um Hilfe bitten muss, „rein“ zu bleiben. Das ist jedenfalls meine Interpretation. Ich konnte ihn ja nicht fragen…

Anders in der Umsetzung, doch der gleichen Logik folgend: die Jugend

Blöderweise sind meine Haare seit einem Färbeunfall noch blonder. Wenn ich auf den Straßen von Martil (meinem momentanen Aufenthaltsort) unterwegs bin, versuche ich mittlerweile nicht mal mehr charmant die blöden Sprüche und Blicke weg zu lächeln. Aus Respekt vor der Kultur oder so. Hier und unter den Jünglingen begegnet mir eine der Aufdringlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Ich überlege mir mittlerweile, ob ich die Kraft besitze vor die Tür zu treten. Die Kraft zu ignorieren. Die Kraft mich selbst nicht in eine Situation zu manövrieren, die letztlich wieder eine Bestätigung für diese Männer sein wird, wie arrogant, unweiblich oder bitchy ich bin. Denn sie werden nicht verstehen, wieso ich gegebenenfalls aggressiv reagiere. Sie werden nur wieder schlussfolgern: „das ist keine richtige Frau. An mir kann´s nicht liegen.“ Denn den Beweis bekam ich oft genug, dass sie so reagieren.

Etwas in mir bewundert dieses unübertroffene Selbstbewusstsein, das ich mir als „richtige Frau“ niemals erlauben dürfte. Mal ganz davon abgesehen käme ich gar nicht bis zu diesem Geilheitsgrad mir selbst gegenüber. Vielleicht liegt es daran, dass meine beiden Gehirnhälften besser miteinander verknüpft sind. Das ist nun mal ein biologischer Fakt. Das mag jetzt wieder irgendeinen Mann in seinem Ego pikieren. Aber es ist halt einfach so. Offensichtlich hilft es dabei sich in jemand anderen hinein zu versetzten. Vielleicht müsste ich demzufolge meiner „Natur“ nachkommen, und Verständnis zeigen. Sie können ja, wie immer, nichts dafür. Wenn ihre Hirne es nun mal nicht zulassen….Das muss ich doch verstehen und, getreu meiner Aufgabe, weg lächeln.

Ich rede von dieser Beschränktheit des sich-nicht-vorstellen-könnens-wie-das-wohl-wäre-ständig-und-überall-begafft,-angequatscht-oder-als-willig-interpretiert-zu-werden. Vor allem aber überrascht mich jedes mal diese Überraschtheit darüber, wenn meine Reaktion kein jubelndes „Ja, nimm meine Nummer und am besten gleich mich mit zu dir nach Hause! Dein ungeniertes Gebalze hat mich so überzeugt, das ich dich am liebsten gleich hier und auf der stelle heiraten will!“ Das tue ich meistens nicht. Ich habe es mal als Gegenstrategie versucht. Aber Ironie ist noch unagebrachter, da viel zu kompliziert, als das es verstanden werden könnte. Im Gegenteil. Die nehmen mich tatsächlich ernst, wenn ich das so sage. Demzufolge ist die Überraschung immer wieder groß, wenn ich also nicht so reagiere. Huch, na sowas! Wollen Frauen nicht eigentlich permanent als Baby, Beautifull etc betitelt, angeschnalzt oder wie, als wäre man ein Hund, angepfiffen werden? Und das alle drei Meter? Sehen sie nicht, dass kurz vor ihnen und kurz nach ihnen die Typen genau das gleiche machen? Wie resistent soll denn bitte mein Nervenkostüm sein?

Beispiele:

Am besten waren bis jetzt die Wortschleudern „Käse“ oder „Joghurt“. Denn sie schleudern die Wörter tatsächlich. Dynamisch im Vorbeigehen. Das war aber zumindest mal was anderes. Auch nicht sonderlich kreativ. Aber was anderes. „Sexy“, „Baby“, etc. kennen wir.

Schön war auch jene Situation: ein Typ kam aus dem nichts und heftete sich, wie ein Kaugummi, an meinen Arsch. Zehn Minuten lang lief er neben mir her mir mitteilend, dass ich ja nicht mit ihm reden müsste, wenn ich nicht wollen würde. Bis ich dann, wohl wissend, dass sich diese Situation sonst nie auflösen wird, wirsch reagierte u sagte: wonach sieht es denn aus, wenn ich seit 10 Minuten kopfschüttelnd ohne Blickkontakt aktiv versuche, dich nicht zu bemerken…? Was könnte ich dir damit wohl sagen wollen. Richtig: dass ich nicht will!

Oder auch folgende, sehr häufig auftretende Situation: mir wird das Telefon zum Nummernaustausch aus dem Fenster eines an meiner Seite sich verlangsamenden Autos gehalten oder auch einfach nach einem Einkauf von 30 Gramm Erdnüssen im Mini-Shop entgegen gestreckt. Dabei wird nie in Betracht gezogen, dass es niemals eine kommunikative Ebene geben wird. Erstens, weil mich die Methode schon davon überzeugt, dass wir wohl charakterlich zu keiner Basis finden werden. Und zweitens: weil wir nicht mal bis dahin kommen werden, die charakterliche Basis zu ergründen, weil wir, ob der Sprachbarriere, nicht miteinander werden reden können.

Ich bin jedes mal fasziniert, dass diese Gedankengänge offensichtlich nicht möglich sind. Wäre dem so, würden sie sich da nicht selber hinterfragen?

Interessanterweise, das ist auch wieder fast überall auf der Welt so, sind die meisten Männer irre pikiert, wenn sie in eine ähnliche Situation geraten, also objektiviert werden. Nämlich, wenn sie von Homosexuellen angemacht werden. Sich dieses Gefühl zu merken und also demzufolge in der Lage zu sein, das auf den Alltag einer Frau zu übertragen ist jedoch zu viel verlangt. Denn wir, also wir Frauen, finden das ja angeblich toll so behandelt zu werden. Wollen wir nicht alle ausnahmslos ständig und ausschließlich begehrenswert sein? Das ist doch das Ziel unserer Existenz, oder? Außerdem sind wir naturgemäß friedfertig und lassen die Dinge über uns ergehen.

Dies ist ein Versuch mich in ihre Gedankengänge hineinzuversetzen und mir so gewisse Verhaltensweise begreiflich zu machen. Das hilft dabei, die Dinge in ihrer groben Grundlogik zu akzeptieren. Denn es wird sich so bald nicht ändern, fürchte ich.

Meine Erkenntnis und demzufolge Strategie für den Alltag

Ich bin blond und europäisch. Das allein ist aber schon ein „Schönheitsmarker“, so historisch, ökonomisch und damit soziologisch erklärbar das auch sein mag. Ich versuche so gelangweilt und „normal“ meiner Wege zu gehen, wie es mir möglich ist.

Denn alles, was man tut, wird in einer Weise interpretiert, die als „willig“ angesehen werden KÖNNTE. Das ist in Europa und Ostafrika wie gesagt nicht anders. Aber hier bin ich nicht einmal gewillt, taktisch klug über meine Biologie einen Türöffner zu kreieren. In Europa und Ostafrika kann ich über diese Ebene zumindest eine Situation schaffen, die zulässt, dass man sich, wenn man über diese Schwelle drüber gekommen ist, auch über andere Dinge unterhalten kann.

Hier hingegen wird mir die Motivation genommen, wenigstens das zu tun. Denn selbst, wenn ich in den anderen Kulturkreisen auf meine Biologie reduziert werde: zumindest wird das an mir geschätzt. Ganz offen. Oft auch plump. Aber es wird geschätzt.

Hier komme ich gar nicht in die Situation wenigstens für meine Meinung kritisiert zu werden. Oder dafür, dass ich arrogant bin. Auch, wenn diese Interpretationen letztendlich darauf beruhen, dass ich aus Sicht der Männer die Erwartungen als „Frau“ nicht so richtig erfüllen mag.

Hier werde ich allein für meine Erscheinung verurteilt oder eben angeplumpt. Dafür, wie ich geboren wurde. Als Frau. Und damit werde ich in letzter Instanz sogar noch mehr auf meine Biologie reduziert, als wenn ich ganz direkt darauf reduziert werde.

Also reduziere ich mich und meine Aura mit. Und zwar auf meine bloße Existenz. Ohne Reaktion auf mein Umfeld.

Ich ziehe mir nen mentalen Schleier über.

Die Quintessenz

Nun werden einigen diesen Text als Bestätigung dafür nehmen, was beispielsweise zur Silvesternacht in Köln geschah. Doch dann haben sie die ersten beiden Absätze nicht gelesen. Oder aber nicht verstanden. Dann würde ersichtlich, dass „unsere“ Männer eben nach eben jenem Muster auf jene Nacht reagierten, vor dem sie ja angeblich die „deutsche Frau“ schützen wollten: nach dem Muster des Patriarchat und der Ungleichberechtigung.

In allen Ausführungen meiner Erfahrungen besteht die eine, ganz wesentliche Grundlogik und das, ungeachtet der Kulturkreise:

Männer betrachten XX-Trägerinnen, egal wo,  zu aller erst und vor allem als Frau. Also biologisch. Auch, wenn sie noch so reflektiert daher kommen. Und auch, wenn noch so viele menschliche Ebenen möglich sind. Selbst bei den „aufgeklärtesten“ kommt irgendwann der Punkt, an dem diverse Irritationen auftreten, wenn bestimmte Muster nicht erfüllt werden.

Das hört sich jetzt wahnsinnig feministisch an (was ja als was Negatives gilt. Ist ja auch klar wieso) Und wohl auch wahnsinnig krümelkackrig und banal. Doch dieser kleine Unterschied in der Betrachtungsweise hat eine ungeahnte Dimension, wenn es um das darauffolgende Verhalten geht. Denn, wenn man vor allem immer zu aller erst als „Frau“, also als potenziell „biologisch verwertbar“ betrachtet wird, äußert sich das, wie beschrieben. Und das ist wahnsinnig anstrengend. Auch in Europa ist diese Grundlogik nur plump überdeckt. Nur bis zu dem Punkt, als das man den Anschein haben könnte, es sei gar nicht mehr so plump. Das ist letztlich fast noch gefährlicher. Denn wenn nicht leicht ersichtlich ist, dass sich grundsätzlich gar nicht so viel geändert hat, dann lässt man es auch so.

 

3 Gedanken zu „Das Ding mit: den XY´s

  • 10. Mai 2016 um 11:22
    Permalink

    Liebe Fanny,
    deine Erfahrung kann ich teilweise nachvollziehen. Als ich in Spanien war, wurde ich auch so angestarrt von Männern – und Frauen. Als wäre ich eine weiße blonde Erscheinung. Aber das war in Europa und ich konnte mit den Menschen immerhin noch kommunizieren. In deinem Text stecken viel Emotionen, wenn nicht sogar Frust. Ich hoffe, es überträgt sich bei dir nicht komplett auf die „Spezies Mann“. Denn ich glaube zumindest in Deutschland habe wir nicht mehr so große Grabenkämpfe zwischen Männern und Frauen auszutragen. Ich wünsche dir noch viel Kraft für deine Zeit und hoffentlich auch gute Erfahrungen.

    Antwort
    • 16. Mai 2016 um 0:29
      Permalink

      etwas frust liegt wohl darin, da hast du recht. vielleicht fällt es mir einfach nur sehr auf und ich denke darüber nach, an welcher stelle da der blickwinkel langsam mal geändert werden könnte. an sich bin ich aber gar nicht so frustriert, wie es vielleicht klingt. manchmal muss man nur was „ablassen“. und es gibt ja sehr viele historische und soziologische gründe dafür, dass europäerinnen so angestarrt werden. außerdem ist das auch normal, wenn man auffällt, dass man eben auffällt. ich finde aber, dass die grundsätzliche problematik überall die gleiche ist: dass frauen irgendwie, egal, wie viele andere ebenen noch dazu kommen, zu aller erst immer „frau“ sind. und also alles, was damit lange konstruiert wurde sprich, vor allem eine bestimmte funktion. eine biologische. deswegen unterscheiden sich, finde ich, nur die symptome. ich habe aber noch hoffnung 🙂

      Antwort
  • 27. Mai 2016 um 9:08
    Permalink

    liebste fanny,
    der leichte frust ist in der tat rauszuhören – aber wie ich finde: ABSOLUT ZU RECHT !
    ich nenne das was du beschreibst/erlebst “ omnipräsenter chauvinismus, weltweit „!
    ich war zwar nie in der welt aber all das was du leider zu berichten hast kann ich mir nicht nur vorstellen – nein – ich fühle es mit dir (ich schiebs mal auf meine emphatie oder vllt. weil ich eine kaiserschnitt-geburt bin 😀 … kein plan) ! ich möchte nur sagen: immer schreibs dir von der seele und deine hoffnung lebt (bestimmt nicht nur) in persona: meiner! 🙂 halt die öhrchen steif

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.