Ja, nun auch ich

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Foto: Anna Hilde

Liebe Mitmenschen,  die Welt ist nun um einen Blog reicher voller Gedankenfetzen von jemandem, der auch mal was erzählen möchte. Das gehört sich heutzutage so. Ob es um Tipps zu Haarkuren aus Naturprodukten oder um Bastelanleitungen für Papierflieger geht: jeder hat seinen eigenen medialen Selbstprofilierungskanal.

Ich werde mein Bestes geben hier keinen unlauteren Müll abzulassen. Ich werde auch mein bestes geben meine zugegebenermaßen ab und an recht sehr verworrenen  Gedankenknoten verständlich zu entheddern.

Der Initiationsmoment

Vor ziemlich genau über einem Jahr bin ich nach Marokko gefahren, um an der spanischen Grenze die Situation der hier gestrandeten Menschen, allgemein als Migranten betitelt, zu ergründen. Ich dachte damals, dass sich ein Blog anbietet, um all den Input in die Welt zu tragen.

Ich musste jedoch recht schnell feststellen, dass, je länger ich hier war, immer unsicherer wurde, ob ich der Welt adäquat berichten könnte. Denn je mehr ich wusste, desto undurchsichtiger wurden die Fakten und Situationen. Desto weniger wusste ich, ob ich tatsächlich wusste. Desto mehr habe auch ich meine Rolle und wie mich die Menschen sehen hinterfragt.

Ein Jahr später glaube ich, ein wenig verstanden zu haben.

Trotzdem werde ich einige Texte, die ich damals schrieb, hier veröffentlichen. Denn im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich erstaunlicherweise mit einigen Dingen so falsch nicht lag.

Doch es soll nicht nur um Marokko gehen.

 Worum soll es gehen?

Hier geht es um die Fragen, die die Welt bewegen (drunter geht´s bei  mir nie!) Es geht darum, Entwicklungen zu analysieren und  diese in ihren Auswirkungen auf das Leben zu übertragen. Auf das Leben von Menschen, die ich überall dort treffe, wo ich mich hin bewege. Und auch auf mein Leben. Denn die über allem stehende Logik ist: wir sind alle miteinander verknüpft. Von ganz „oben“ bis ganz „unten“. Von Territorium zu Territorium. Von Mensch zu Mensch. In unserer heutigen Welt geschieht dies auf sehr hohem Verknüpfungsniveau: allgemein bekannt als Globalisierung.

Das sichtbarste Merkmal von Globalisierung ist jenes, das seit jeher und in großer Dimension überall statt findet: Migration. Die Bewegung von Menschen.

Immer wieder haben schlaue Menschen die selbe Erkenntnis: Beim Fußball oder bei Jam-Sessions sind Hautfarbe, Nationalität, Nasenlänge oder Sprache egal. Im Gegenteil: die vordergründigen Unterschiede können sogar sehr befruchtend wirken, wenn sie als komplementär betrachtet werden. Mit der Migration kommen die Talente, die die Menschen in sich tragen, vermischen sich, tauschen sich aus. Musik, Essen, Rituale /Religionen. Alles, was eben das Leben ausmacht. Im ganz direkten Leben erkennt man am besten, wieso auch die Natur dem Prinzip der Vermischung folgt (die, die die unterschiedlichsten Gene haben, finden sich am attraktivsten. Ziel: Vorbeugung von genetischem Stillstand und lebensunfähigem Nachwuchs): so entsteht Innovation.

Ergo: das Streben nach Purität ist völlig kontraproduktiv, unerreichbar, nicht Natur gewollt und demzufolge argumentativ kompletter Quark.

Alle, die hier zu Wort kommen, haben eins gemeinsam: Sie sind in Bewegung und lernen an Neuem, an Herausforderungen, an Negativem wie Positivem.

Für die grobe Systematik gibt es drei Rubriken von Texten und Beiträgen:

  1. Das Ding mit …  (Kommentare, Kolumnen)
  2. Portrait (Namen geändert)
  3. Hintergrund (Interviews mit Experten, die neue Sichtweisen aufzeigen und Zusammenhänge erklären können, Publikationen, die interessante neue Ideen geben)

Besonderes Augenmerk möchte ich auf die Portraits lenken. Jede Woche werde ich ein wenig mehr vom Leben jener veröffentlichen, die ich hier treffen durfte. Mit allen bin ich immer noch in Kontakt. Seit über einem Jahr begleite ich nun ihre Reise. Von ihrem Aufbruch, ihrer Ankunft in Marokko, ihrem Leben hier, ihren Meinungen, ihren Strategien bis hin zur aktuellen Situation.

Auf denn nun also….