Mobile Überweisungen sparen Afrikanern*innen Milliarden an Gebühren

40 Millionen Afrikaner*innen leben außerhalb ihres Geburtslandes. Die afrikanische Diaspora ist für viele Länder des Kontinents eine der wichtigsten Geldquellen. Genau diese Abhängigkeit nutzen Banken und Überweisungsdienste wie Western Union aus. Doch mit mobilem Banking gibt es nun eine Alternative.

Einer arbeitet, viele profitieren

Bingi sitzt in schickem Anzug und mit ordentlich zum Zopf gebundenen Dreadlocks in seinem Büro. Der 28-Jährige ist Junior Executive einer Veranstaltungsagentur in Prag. Von seinem Gehalt kann nicht nur er leben: Bingi verdient inzwischen genug, um auch seiner Schwester in Kenia jeden Monat die Miete zu zahlen.

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Foto: Bingi

Manchmal überweist er auch kleinere Beträge für Arztrechnungen oder Einkäufe. Das sei nicht immer selbstverständlich gewesen, erzählt Bingi. „Wenn ich damals zehn Euro über Western Union versendet habe, war das völlig sinnfrei, weil ich fast genauso viel an Gebühren draufzahlen musste.“

Heute benutzt Bingi für die Überweisungen an seine Schwester Mobile Money. Das ist ein Service der GSM Association (GSMA), einer Vereinigung von etwa 800 Mobilfunkanbietern weltweit. Der Dienst soll Menschen aus dem globalen Süden einen sicheren Zugang zum Finanzsystem ermöglichen. Die GSMA gibt an, dass mittlerweile mehr als 100 Millionen Menschen einen Mobile-Money-Account haben, mit dessen Hilfe sie online Transaktionen durchführen können. Mehr als 60 Millionen Kund*innen kommen aus Afrika, Tendenz rasant steigend.

Die Diaspora: hilfreicher als Entwicklungshilfe

Die Überweisungen der Diaspora nach Hause sind für den Kontinent existenziell. In Ländern wie Liberia oder Gambia machen sie ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Ade Damary, Vorsitzender der African Foundation for Development, sagt, dass die Diaspora aber vor allem einen enormen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) beisteuere : Die Ausgewanderten sorgen mit ihrem Geld dafür, dass sich Menschen daheim Medikamente oder die Schulausbildung leisten können. Und sie ermöglichen einen grundsätzlichen Zugang zu Kapital. Denn das ist oft das Hauptproblem: In vielen afrikanischen Staaten gibt es kein gut funktionierendes lokales Finanzsystem. Wenn jemand ein Taxiunternehmen eröffnen will, kann so in ein Auto investiert werden. Damit fördert die Diaspora also auch mittelständische Unternehmen und damit die Wirtschaft.

Die Weltbank geht davon aus, dass inzwischen circa 80 Prozent aller Überweisungen in Entwicklungsländern getätigt werden. Für 2016 rechnet sie mit 600 Milliarden US-Dollar weltweit. Das ist dreimal so viel wie in Entwicklungshilfe investiert wird: Laut des Migration and Remittance Factbook gingen 2013 über 47 Milliarden in afrikanische Länder.

Alternativlosigkeit fördert Kreativität
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Per Online Banking überweist Bingo Geld auf das Mobile Konto seiner Schwester. Mit dem Transaktionscode kann sie zu einem der vielen kleinen Shops des Mobilfunkanbieters gehen und das Geld abholen.

Afrikaner*innen sind eine gute Kundschaft. Sie sind viele und abhängig von den Überweisungen. Im Durchschnitt müssen Afrikaner knapp doppelt so viel bezahlen wie der Rest der Welt. Dabei schwanken die Gebühren von Land zu Land und können bis zu 90 Prozent betragen. Die Weltbank hat ausgerechnet, dass Afrikaner bis zu 16 Milliarden Dollar pro Jahr sparen könnten, wenn die Überweisungsgebühren um nur fünf Prozent günstiger wären. Banken und Überweisungsdienste könnten sich anders verhalten, sagt das Overseas Development Insitut. Doch stattdessen scheinen sie ihre Machtposition schlichtweg auszunutzen – Western Union und Moneygram aufgrund ihrer Monopolstellung auf dem Kontinent. Und Banken, weil es wenig funktionierende Finanzstrukturen gibt. Der Großteil der Bevölkerung hat daher schlichtweg keinen Umgang mit dem Finanzwesen, kein Konto, keine Geldkarte.

Es gibt viele kreative Umwege, die sich Afriakner*innnen schaffen, um günstiger Geld in die Heimat schicken. Sammelversände, um eine größere Summe zu verschicken und damit prozentual weniger Gebühren zu bezahlen zum Beispiel. Doch dank Mobile Money geht das nun einfacher. Auf 100 Tschechische Kronen, die Bingi seiner Schwester in Kenia überweist, fallen zum Beispiel 26 Kronen an. Bei Western Union hätte er 540 Kronen zahlen müssen. Es gibt noch weitere Dienste mit dem Ziel, zu helfen: Unter anderem gründeten drei Schweizer vor zwei Jahren die Plattform tawipay. Hier können sich alle, die Überweisungen ins Ausland tätigen wollen, in zehn Sprachen über die beste Variante informieren.

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