Bei den Hash-Bauern im Rif – Gebirge

Chefchaoun ist eine Touristenhochburg Marokkos – bekannt für seine Häuser in vielen verschiedenen Blautönen. Und für den Anbau von Cannabis.  Reportage vom 23. August 2016

 Was ausversehen nicht mit erschienen, aber trotzdem interessant ist
Foto: Martina Weber
Feld hinterm Haus (Foto:Martina Weber)
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UNESCO Weltkulturerbe Chefchaouen (Foto: Martina Weber)

Cannabis ist der Oberbegriff für die Rauschmittel Marihuana und Haschisch, die aus Blüten und Blättern verschiedener Hanfsorten gewonnen werden. Fast die Hälfte des weltweit verfügbaren Cannabis und 70 Prozent dessen, was in Europa konsumiert wird stammen aus Marokko. Das sind ungefähr 3 000 Tonnen im Jahr. Allein mit marokkanischem Haschisch werden in Europa nach Schätzungen des UN-Büros rund zehn Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt. Schon seit dem 15. Jahrhundert soll in der Region des Rif-Gebirges Cannabis angebaut werden. Dort produzieren geschätzt 200.000 Kleinbauern und ihre Familien das Cannabis-Harz, also Haschisch. Im Durchschnitt stellt jeder Betrieb 15 Kilogramm pro Jahr her. Eine Million Menschen sollen von der Drogenherstellung leben. Die Bauern ziehen die Pflanze aufvier bis sechs Hektar Land und machen daraus Haschisch, das so genannte Kif. Sie verkaufen das Haschisch an organisierte Zwischenhändler weiter. 500 Euro pro Kilo bekommen sie dafür, schätzt das UN-Büro. Doch nach eigenen Angaben verdienen die Bauern nur um die 200 Euro. Das ist ein Vierzigstel von dem, was der Endkonsument in Nordeuropa später auf der Straße zahlen wird. Organisationen bringen die Ware in Schnellbooten an die spanische Küste. Oder das Hasch wird in kleinen Portionen in Plastik verpackt, verschluckt und im Magen transportiert. Die Legalisierung und die Legitimierung des Anbaus könnte nicht nur der nationalen und lokalen Wirtschaft Marokkos zu neuem Aufschwung helfen, sondern auch zu einer besseren Integration der Rifregion führen. So begeben sich die Familien in die Gefahr entweder für den Anbau oder wegen nicht lizenzierten Führungen festgenommen zu werden. Und Touristen, auf Betrüger zu treffen, die horrende Preise für Führungen als auch für das Hasch verlangen.

Wer hören möchte, wie ich mit Guide Mohamed durch die Berge kraxel und mir bei Cannabisfarmern erklären lasse, wie das Geschäft läuft, kann dies hier tun: Deutschlandfunknova

 

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