Die Rosenhecke ist der Natodrahtzaun – das Feature

Nach fast zwei Jahren, unzähligen Skype Gesprächen bis auch diese gekappt wurden, mehrmaliger Rückkehr nach Marokko, monatelangem ganz normalem Leben zusammen und monatelangem Leben getrennt, Zuversicht, die sich mit Zweifel ablöste, Vetrauenshürden, Erklärungsnöten und immer wieder diese Grenze…sind wir immernoch da. Die ganze Story nun im SWR nachzuhören.

Anmerkungen von der Autorin (mir)

Zu allererst: konsequenterweise müsste es „eine deutsch-kamerunische oder europäisch-afrikanische“ Geschichte heißen. Aber gut. Kleinigkeiten.

Da ich nur das Skript und die Töne geliefert habe, hatte ich keinen Einfluss auf die Grundstimmung. Diese ist für meinen Geschmack zu dramatisch. John und ich sind nicht so letargisch, wie es die Hintergrundmusik suggeriert. Im Gegenteil. Sonst hätten wir es gar nicht bis hierher geschafft.

Mein Absicht war zu zeigen: ja, die Situation ist semi-optimal. Oder um es auf gut Deutsch sagen: ganz schön kacke. Aber, und das ist das aller Wichtigste, wir sind trotzdem so, wie wir sind. Das heißt – wir leben ein ganz normales Leben als Paar. Das, was so anstrengend ist ist, dass alle um uns rum es so schwer machen. Die Grundhaltung, wie bei diesem Feature ist: mein Gott, das ist ja alles so schwierig! Ja, das ist es. Aber warum? Diese ganzen Hürden sind ja da, weil wir sie machen.

Weil es alle gefressen haben, dass Kameruner sich eben nicht so bewegen dürfen, wie Deutsche. Weil alle gefressen haben, dass da nunmal so ne Zäune stehen müssen. Das ist alles ganz schrecklich und furchtbar. Aber es ist eben so. Und deswegen läuft unter unserer Geschichte eine dramatische Musik mit. Wäre er nicht schwarz, ich nicht weiß, er kein Illegalisierter und ich nicht Reisende, wäre er nicht Kameruner und ich nicht Deutsche – es hätte wohl kein Feature geben müssen. Und das ist das, worauf ich hinweisen will. Würde man uns einfach nur als Paar betrachten, dann wäre alles gar nicht so dramatisch. Denn wir sind nicht anders. Wir werden anders gemacht.

Und müssen deswegen noch mehr von dem beweisen, was schon in „normalen“ Situationen schwer genug ist: sich gegenseitig versichern. Sich vertrauen. Sich halten. Gegen all das, was in uns projeziert wird. Dabei singen wir einfach gerne, piesaken und messen uns gegenseitig beim Billard, schicken uns gegenseitig aus der Küche raus, wenn der andere kocht, zelebrieren Kekse in Milch, gönnen uns gegenseitig unsere Momente des Dramas und analysieren Songtexte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und so fasst es John am Ende des Features schön zusammen:

Keiner hat es sich ausgesucht. Er nicht, dass er Afrikaner ist, ich nicht, dass ich Europäerin bin. Und wir nicht, dass wir uns ineinander verliebern würden.

Deswegen gibt es nun also noch eine Geschichte, mit eben genau der gleichen Moral, die seit Jahrhunderten garantiert Erfolg bringt: der Geschichte von einer Liebe, die sich gegen alle Hürden stämmt. So schön dramatisch. So schön herzzerreißend. Vielleicht muss es immer Grenzen geben. Sonst gingen uns diese „schönen“ Geschichten aus.

Vorschau auf die Fortsetzung (dann als independent Podcast):

Wir haben beschlossen: er hat lange genug mit der Force Auxeliere gekämpft. Nun kämpfen wir mit den Behörden. Denn: ich bin schwanger.  Und er will kein Risiko eingehen.

In den vergangenen und kommenden Monaten versuchen wir nun also die Familienzusammenführung. Neue Hürden tun sich auf. Neue Einblicke in institutionelle Absurditäten. Mit dem Baby redet er per Telefon. Und ich schiele neidisch zu den Paaren im Wartezimmer bei den Vorsorgeuntersuchungen.

Dabei ist immer die Zeit mit im Spiel. Wer wird es eher schaffen hier anzukommen: John oder das Baby.

 

 

 

 

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